
APNs: Eine Chance für Pflege, Forschung und Versorgung
Ein Kommentar von Prof. Dr. Matthias Klein, Präsident DGNI
Die Möglichkeit für Pflegefachkräfte, sich weiter zu qualifizieren und über ein Studium zur APN eine akademische Laufbahn einzuschlagen, bedeutet auch für die neurologische Intensivmedizin große Chancen. Zum einen wird dadurch das wichtige Forschungsgebiet der Pflege auf Intensivstationen stärker in den Fokus gerückt. Das ist fundamental, da dadurch Interventionen und Abläufe auf Intensivstationen zunehmend auch aus pflegerischer Perspektive strukturiert untersucht werden, was folglich eine Ausweitung der notwendigen wissenschaftlichen Evidenz für das tägliche pflegerische Handeln auf Intensivstationen bedeutet. Zum anderen entsteht durch eine entsprechende Weiterentwicklung von Pflegekräften die Chance, dass zukünftig ärztliche und pflegerische Kompetenzen patientenorientierter verteilt werden können als es heute der Fall ist. In Zeiten der Arbeitsverdichtung im ärztlichen Alltag wäre dies ein wichtiger Ansatzpunkt, um die Versorgung auf Intensivstationen auch in der Zukunft rund um die Uhr auf hohem Niveau sicherzustellen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Pflegekräften auch inhaltlich neue berufliche Perspektiven ermöglicht werden können. In Zeiten des Pflegemangels wollen junge Menschen zum Zeitpunkt der Berufswahl sehen, dass sie später aus verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten auswählen können. In vielen auch europäischen Ländern sind APNs bereits fester Bestandteil in der Versorgung von Patienten. Am längsten ist das Berufsbild von APNs in den USA etabliert (dort unter dem Titel „Nurse Practitioner“). Nurse Practitioner arbeiten dort weitgehend selbständig und sind aus dem Klinikalltag und aus der ambulanten Patientenversorgung nicht mehr weg zu denken. Wie sich die Position von APNs in Deutschland entwickeln wird, ist aktuell noch nicht wirklich absehbar. Zumindest an universitären Standorten ist sicher von einem zunehmenden Stellenwert vor allem in der Forschung und der Entwicklung von optimierten pflegerischen Prozessen und Modellen auszugehen. Inwieweit bzw. wie schnell eine Neuordnung interprofessioneller Kooperation und ggf. auch eine Übernahme traditionell ärztlicher Aufgaben in der Kooperation mit APNs möglich sein wird und wie entsprechende Finanzierungskonzepte aussehen können, bleibt im Moment jedoch noch offen. Die Tatsache, dass die finanzielle Situation im Gesundheitswesen derzeit so angespannt ist wie noch nie ermöglicht vielleicht die Chance, neue Wege zu gehen. Eine Etablierung von APNs wird sich momentan allerdings nur dann durchsetzen, wenn dadurch insgesamt Geld eingespart werden kann.
Neue Berufsbilder in der NeuroIntensivmedizin – Erfahrungen einer APN Critical Care




