
Neue Berufsbilder in der NeuroIntensivmedizin
Die NeuroIntensivmedizin befindet sich im Wandel: Neue Qualifikationen, erweiterte Kompetenzen und innovative Formen der Zusammenarbeit verändern die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Mit dem Aufkommen neuer akademischer und klinischer Karrierewege entstehen spannende Berufsbilder, die traditionelle Rollen neu definieren.
Lernen Sie die Köpfe hinter den neuen Berufsbildern kennen und entdecken Sie, wie die Neurointensivmedizin von morgen gestaltet wird.
Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Professor Matthias Klein, Präsident DGNI.
Advanced Practice Nurse Critical Care
Sabrina Pelz, Universitätsklinikum Tübingen
Akademisierung in der Pflege – Erfahrungen einer APN Critical Care
Interview mit Sabrina Pelz M.Sc., B.Sc., RN, Tübingen
Was ist eine „Advanced Practice Nurse“, kurz APN?
Sabrina Pelz: Die Ausbildung der APN Critical Care ist eine akademische Qualifikation, die deutlich über die klassische Pflegeausbildung in Deutschland hinausgeht. Die Qualifikation zur Ausübung dieser Rolle erfolgt durch ein Masterstudium in Advanced Practice Nursing. Die Advanced-Practice-Nurse umfasst zwei zentrale Rollenbilder: die Clinical Nurse Specialist (CNS) und die Nurse Practitioner (NP). Welche Bedeutung hat die Akademisierung als Pflegefachperson und inwiefern kommt die spezialisierte und vertiefte Pflegepraxis sowohl dem ITS-Team als auch den Patient:innen zugute? – Dazu haben wir Sabrina Pelz, Pflegefachfrau aus Tübingen mit Qualifikation zur APN, befragt.
Sie sind als „Advanced Practice Nurse“, APN, auf einer neurologischen Intensivstation tätig. Wie kam es bei Ihnen zu diesem Ausbildungs-/Berufswunsch?
Sabrina Pelz: Ich arbeite auf einer neurologischen, internistischen und pneumologischen Intensivstation am Universitätsklinikum Tübingen. Nach meiner dreijährigen Grundausbildung zur Pflegefachperson, meiner zweijährigen Fachweiterbildung in der Intensivpflege und Anästhesie sowie meinen Zusatzqualifikationen als Wundexpertin ICW und Pain Nurse entwickelten sich in meiner praktischen Tätigkeit zunehmend pflegewissenschaftliche Fragestellungen ohne Antworten dafür zu finden.
Im Verlauf meiner Arbeit wurde mir immer deutlicher, wo es in der Fachpraxis an strategischer Weiterentwicklung und an einer konsequenten Orientierung an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten fehlt. Dabei beobachtete ich auch, dass vorhandene Ressourcen und Energien nicht immer fachgerecht eingesetzt werden.
Auf nationalen und internationalen Fachkongressen informierte ich mich daher über mögliche Qualifizierungsansätze. Dabei wurde mir bewusst, dass es international bereits seit mehr als vier Jahrzehnten Antworten auf viele dieser Fragen gibt, die sowohl die Qualität und Entscheidungskompetenz von Pflegefachpersonen als auch die Patientensicherheit stärken. Aus diesem Grund entschied ich mich für den akademischen Weg und nahm ein Masterstudium in Advanced Practice Nursing (M.Sc.) sowie ein Bachelorstudium (B.Sc.) auf. Parallel dazu blieb ich weiterhin auf der Intensivstation tätig, weil die Akademisierung als Pflegefachperson häufig mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden ist und mir die Weiterentwicklung der Fachpraxis besonders am Herzen liegt. Heute kann ich auf 25 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Da ich mich nicht mehr in der Anfangsphase meiner beruflichen Laufbahn befand, entfielen für mich viele Fördermöglichkeiten und Stipendien. Die Finanzierung des Studiums musste ich weitgehend selbst tragen. Hier besteht aus meiner Sicht weiterhin bundesweit erheblicher Nachbesserungsbedarf.
Sie haben sich mit einem wissenschaftlichen Masterabschluss besonders qualifiziert. Was ist das Besondere, als akademisierte Fachpflegende auf der NeuroIntensivstation tätig zu sein? Was hat der Beruf der APN Critical Care zu bieten?
Sabrina Pelz: Als APN Critical Care zu arbeiten hat viel zu bieten. Ich möchte es nicht mehr missen. Im Gegenteil, ich möchte es weiterentwickeln. Da gibt es noch viel zu tun. Die Schaffung der Rahmenbedingungen ist überall eine große Herausforderung, vor allem der Schutz der beruflichen Bezeichnung oder die Refinanzierung. Fachliche und pflegewissenschaftliche Fragestellungen in der Praxis zu generieren. Die Brücke zwischen evidenzbasierten Erkenntnissen und Implementierung in die Fachpraxis zu sein. Patient:innen in der Praxis selbständig zu beraten, zu betreuen und Entscheidungen zu fällen, Verantwortung zu tragen. Ansprechpartnerin zu sein für Patient:innen, Intensivpflegefachpersonen und Leitungen, Pflegedirektor:innen, Ärtz:innen. Pionierin zu sein und einen neuen Weg zu bestreiten. Häufig wird Hamric oder Tracey zitiert: Als APN habe ich sieben unterschiedliche Rollen, die je nach Arbeitgeberrahmen unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Link: Darstellung der Subrollen
Was würden Sie jungen Pflegenden raten, die sich für diese akademische Qualifikation interessieren? Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen, wenn man als APN auf einer ITS tätig ist?
Sabrina Pelz: Als APN mit Masterabschluss auf einer Intensivstation sollten die Pflegefachpersonen folgende Werte und Haltungen mitbringen: Offenheit, Selbstreflexion, Durchhaltevermögen, Standhaftigkeit, Neugier und Pioniergeist. Grundvoraussetzung ist die Zulassung als Pflegefachfachperson mit einem Bachelorstudium und einem Masterstudium in Advanced Practice Nursing. Die Absolvierung einer zweijährigen Fachweiterbildung Intensivpflege und Anästhesie ist aus meiner Sicht notwendig für die Arbeit auf einer Intensivstation, solange die aktuellen Masterstudiengänge die zweijährige Fachweiterbildung nicht durchgehend abbilden. Fachpraktische Berufserfahrung zwischen den Qualifikationen auf der Intensivstation. Hilfreich ist die Arbeit in Fachverbänden.
Was muss bundesweit für APNs geregelt werden?
Sabrina Pelz: Ein APN-Gesetz befindet sich derzeit in Vorbereitung. Es bleibt abzuwarten, welche Anforderungen es tatsächlich enthalten wird und inwieweit es die seit Jahren formulierten zentralen Forderungen von Fachverbänden, dem DPR und Pflegekammern aufgreift. Bundesweit rechtlich zu regeln sind insbesondere der Schutz der Berufsbezeichnung Advanced Practice Nurse sowie die Verankerung der Rollenbilder Clinical Nurse Specialist und Nurse Practitioner. Darüber hinaus müssen APN-Leistungen refinanzierbar und bundesweit abrechenbar sein. Für APNs mit Masterabschluss sollte außerdem eine tarifliche Eingruppierung mindestens in die Entgeltgruppe 13 erfolgen.
Wir bedanken uns sehr herzlich für Ihre interessanten Einblicke!




