Organspende in Deutschland: Organe sind weiterhin knapp – ist DCD die Lösung?

Der Mangel an Spenderorganen bleibt in Deutschland eine große Herausforderung: Tausende Patientinnen und Patienten warten weiterhin auf lebensrettende Transplantationen. Während international die Organspende nach Kreislaufstillstand (DCD) zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist sie hierzulande bislang nicht etabliert. Prof. Dr. Matthias Klein beleuchtet Chancen, Grenzen und notwendige Rahmenbedingungen.

Prof. Dr. med. Matthias Klein
Prof. Dr. med.
Matthias Klein

Präsident

Der Bedarf an Spenderorganen in Deutschland ist weiterhin deutlich höher als das verfügbare Angebot. Ende 2025 standen rund 8.200 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Die meisten Patientinnen und Patienten warteten auf eine Nierentransplantation, gefolgt von Leber-, Herz- und Lungentransplantationen. Im selben Jahr gab es lediglich 985 postmortale Organspenderinnen und Organspender. Dadurch konnten zwar etwa 3.000 Organe vermittelt und transplantiert werden, dennoch bleibt die Versorgungslücke groß.

In Deutschland ist eine Organspende nur im Rahmen eines irreversiblen Hirnfunktionsausfalls möglich. Dahingegen gewinnt in Europa eine sogenannte DCD (Donation after Circulatory Death, Organspende nach Kreislaufstillstand) zunehmend an Bedeutung. Durch die Einführung und Weiterentwicklung von DCD-Programmen konnten viele europäische Länder die Zahl der verfügbaren Spenderorgane deutlich erhöhen. Einschränkend erfordert die Methode klare medizinische, rechtliche und ethische Rahmenbedingungen, um Sicherheit, Transparenz und gesellschaftliche Akzeptanz zu gewährleisten. 

Die DGNI unterstützt eine Diskussion über die Möglichkeiten und Limitierungen von DCD in Deutschland. Das Deutsche Herzzentrum der Charite hat zu diesem Thema einen Film gedreht, der Online verfügbar ist: https://www.youtube.com/watch?v=b7jj-Ef3hgU.

Lesetipp: Ethik und Organspende – Dr. Svitlana Ziganshyna (Diatra, 2026)