Prof. Dr. Patrick Schramm, Dresden und Dr. Stefan Wolf, Berlin
Neurointensivpreis der DGN und der DGNI 2026
Herr Professor Schramm, für welche herausragende Forschung haben Sie den Preis bekommen?
Prof. Dr. Patrick Schramm: Der Preis wurde für meine Arbeiten zum multimodalen Neuromonitoring in der neurologischen Intensivmedizin verliehen. Schwerpunkt lag dabei auf der zerebralen Homöosthase, die wir bei verschiedenen zerebralen und auch nicht-zerebralen Erkrankungen im Sinne einer klinischen Grundlagenwissenschaft untersucht haben. Hier konnten wir neue Erkenntnisse über das Ausmaß und den Verlauf einer Störung der zerebrovaskulären Autoregulation gewinnen. Weiterhin wurden Arbeiten zur inhalativen Sedierung von Patienten mit zerebrovaskulären Erkrankungen durchgeführt, welche zeigen konnten, dass die inhalative Sedierung mit Isofluran bei diesen Patienten keine negativen Einflüsse im Vergleich zur konventionellen intravenösen Sedierung mittels Propofol hatte. Auch wenn dafür nicht ausgelegt, zeigte sich ein Trend hin zu weniger Delir und einer geringeren Mortalität in der inhalativ sedierten Kohorte.
Was sind Ihre weiteren wissenschaftlichen Pläne?
Prof. Dr. Patrick Schramm: Es sind Studien geplant, die aus den gewonnenen Erkenntnissen zur Störung der zerebrovaskulären Autoregulation nun das Konzept einer an den Status der Autoregulationsfähigkeit angepassten Hämodynamik auf die neurologische Erholung untersuchen. Das Prinzip eines optimierten mittleren arteriellen Blutdrucks konnte bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma schon einen positiven Einfluss auf das funktionelle Outcome zeigen, was wir nun in der neurovaskulär erkrankten Kohorte reproduzieren wollen. Auch der Einsatz der inhalativen Sedierung soll in Bezug auf die zerebrovaskuläre Hämodynamik weiter untersucht werden. Längerfristig ist eine multizentrische Studie zur Auswirkung unterschiedlicher Sedativa, insbesondere inhalatives Isofluran, auf Delir und Mortalität geplant, die dann im Rahmen des Ignite-Netzwerkes durchgeführt werden soll.
Herr Dr. Wolf, für welche wissenschaftliche Arbeit wurden Sie mit dem Neurointensivpreis der DGN und der DGNI geehrt?
Dr. Stefan Wolf: Der Preis wurde verliehen für meine Arbeiten im Rahmen der EARLYDRAIN-Studie zur lumbalen Drainage bei der aneurysmatischen Subarachnoidalblutung. Kurz zusammengefaßt konnten wir zeigen, daß der frühzeitige Einsatz einer zusätzlichen lumbalen Liquordrainage bei Patienten mit Aneurysma-Blutung sowohl die kurzzeitigen sekundären Komplikationen durch Infarkte durch verzögerte zerebrale Ischämien verringert als auch das Langzeit-Behandlungsergebnis, gemessen mit der modifizierten Rankin-Skala verbessert. Neben dieser Arbeit sind eine Reihe von sekundären Analysen aus den Daten entstanden, zum Beispiel zur Volumenbilanz, zu Hämoglobinverlauf und Transfusionen, zu auftretenden Veränderungen der Körper-Temperatur und ihrer Bedeutung, zu Drainagemengen und Extremwerten des intrakraniellen Drucks, zur Notwendigkeit von ventrikuloperitonealen Shunts, und zum Fragenkomplex früher Komplikationen nach aneurysmatischer Subarachnoidalblutung und den Zusammenhang mit der Aneurysmaversorgung.
Wissen Sie schon, wofür das Preisgeld verwendet werden soll?
Dr. Stefan Wolf: Den Preis werde ich zum einen für ein Dankeschön an das lokale Pflege- und Ärzteteam mit ein paar ausgedehnten Frühstücken am Wochenende verwenden und zum anderen habe ich vor, hierfür neue Computer zur Datenaufzeichnung anzuschaffen, da die bisherigen, vorhandenen Rechner leider in die Jahre gekommen sind und durch ständige Verwendung auf Intensivstation am Patientenbett sehr in Mitleidenschaft gezogen worden sind.
Was sind Ihre weiteren Forschungspläne?
Dr. Stefan Wolf: Pläne für weitere Forschung habe ich natürlich auch! Wesentlich erscheint mir hier, zum einen weitere, noch ausstehende Sekundäranalysen der EARLYDRAIN-Daten durchzuführen - zum Beispiel der Analyse des radiologischen Bildmaterials, soweit wir es erhalten haben, der endovaskulären Therapie bei Vasospasmus oder des durchgeführten Neuromonitorings mittels TCD und pbtO2. So wie es derzeit aussieht, könnte es lohnenswert sein, aus diesen Analysen die Hypothese für eine neue, prospektive Interventionsstudie abzuleiten und diese Studie durchzuführen. Insbesondere eine multizentrische Studie zur endovaskulären Therapie von verzögerten Perfusionsdefiziten in der Bildgebung steht tatsächlich im Raum - was hierfür fehlt, ist einfach Zeit zur strukturierten Planung, und dann natürlich Sponsoring. Hierfür komme ich gern, wenn wir das tatsächlich realisieren können, auf das Netzwerk der DGNI zurück.