Die Deutsche Gesellschaft für Neurointensivmedizin (DGNI) feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Vor 40 Jahren, am 23.1.1986 wurde im Anglo-German-Club in Hamburg die „Arbeitsgemeinschaft Neurologische Intensivmedizin (ANIM)“ gegründet, zwei Jahre nach einer ersten Einladung zu einem Arbeitstreffen interessierter Neurointensivmediziner aus Deutschland durch Prof. Dr. Jörg nach Essen. Schon damals wurde erkannt, dass die pflegerische Versorgung von Patienten mit schweren neurologischen und neurochirurgischen Erkrankungen ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, sodass bereits beim ersten Treffen auch Pflegepersonal aus den Intensivstationen in die Diskussionen einbezogen wurde. Es war mir persönlich eine große Ehre, Herrn Prof. Dr. Jörg für seine Verdienste für die neurologische Intensivmedizin auf der ANIM 2026 in Dortmund die Ehrenmitgliedschaft der DGNI verleihen zu dürfen.
Es lohnt sich, auch einen Blick zurückzuwerfen. Die Anfänge der Neurointensivmedizin liegen in der Polio-Pandemie, als Patienten mit Atemlähmung über viele Monate und Jahre hinweg mit der eisernen Lunge beatmet werden mussten. Mitte der 1950er Jahre wurden in Dänemark die Überdruckbeatmung entwickelt und die ersten „modernen“ Beatmungsgeräte gebaut. Aus neurologischer Sicht wurden die Notwendigkeit des Neuromonitorings früh erkannt und Möglichkeiten zur kontinuierlichen EEG- und ICP-Überwachung entwickelt. Mitte der 1970er Jahre ermöglichten die ersten Computertomographie-Scans auch die Darstellung des Gehirns. Ein weiterer Meilenstein war die erste intraarterielle Behandlung einer Basilaristhrombose bei einer 27-jährigen Patientin in Deutschland, publiziert 1982 von den Professoren Zeumer, Hacke, Kolmann und Poeck (Zeumer et al., DMW 1982). All dies bildete die Grundlage für die Entwicklung der ersten spezialisierten neurologischen Intensivstationen an verschiedenen Universitätskliniken in Deutschland.
Nach der offiziellen Gründung der ANIM in Hamburg fand jährlich eine Arbeitstagung im Januar unter dem Namen ANIM statt. Während die Gesellschaft 2002 namentlich in die „Deutsche Gesellschaft für neurologische Intensivmedizin (DGNI)“ und nach Zusammenschluss mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Neurochirurgie 2008 in die „Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI)“ umbenannt wurde, blieb der Titel „ANIM“ für die jährlichen Arbeitstagungen als Kongressname erhalten.
Mittlerweile sind über 1200 Intensivmediziner und Pflegefachpersonen aus der Neurologie und Neurochirurgie gleichberechtigte Mitglieder unserer Fachgesellschaft, zu denen sich Intensivmediziner aus der Anästhesiologie gesellt haben. Inzwischen haben über 40 Kongresse der DGNI stattgefunden, an mittlerweile über 20 Austragungsorten in Deutschland und Österreich. Im Rahmen der ANIM wurde unter anderem eine spezielle Ausbildungsplattform für junge Kolleginnen und Kollegen entwickelt, Workshops eingerichtet, wissenschaftliche Ergebnisse ausgetauscht und die Forschung in der NeuroIntensiv- und Notfallmedizin durch diverse hochdotierte Preise gefördert. Besonders hervorzuheben ist auch die Rolle unserer Partnergesellschaften DSG, DGNC, ADNANI, DGLN und DGiNR, die mit Gesellschaftssymposien und der Stroke Winter School (DSG) für einen Blick auf ganz spezielle Aspekte in der Versorgung von Patienten mit schweren neurologischen und neurochirurgischen Krankheitsbildern sicherstellen.
Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung der DGNI war die Gründung des Forschungsnetzwerks IGNITE im Jahr 2010, in dem sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Bereich der NeuroIntensivmedizin, die sich für eine Forschung ohne Hierarchien interessierten, für die Entwicklung und Durchführung von diversen Studien zu verschiedenen Krankheitsbildern zusammengeschlossen haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Inzwischen haben Forscher aus dem DGNI-IGNITE-Netzwerk in multiplen Publikationen über 500 kumulative Impact-Faktoren gesammelt. Die DGNI ist auch politisch aktiv geworden und vertritt die Interessen der NeuroIntensivmedizin regelmäßig in Stellungnahmen und bei Anhörungen zu politischen Entwicklungen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).
Wir freuen uns auf eine weitere enge Zusammenarbeit mit Ihnen und unseren nationalen und internationalen Partnergesellschaften, den wissenschaftlichen Austausch und die freundschaftliche Vernetzung im Interesse des Wohlergehens unserer Patienten. Denn in den letzten 40 Jahren ist eines ganz klar geworden: Nur gemeinsam können wir Lösungen für die Behandlung von Patienten mit oft seltenen, aber schweren neurologischen Erkrankungen entwickeln.
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